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Deutsche Sparer haben ein Erkenntnisproblem - 10.12.2018

 

Nur jeder dritte Deutsche hat im über zehn Jahre dauernden Niedrigzinsumfeld sein Sparverhalten geändert. Eine großangelegte Umfrage der GfK im Auftrag des Flossbach von Storch Research Institutes unter 10.000 Sparern zeigt deutlich: Die Deutschen haben ein Erkenntnisproblem.

Nach wie vor legen die meisten Menschen hierzulande ihr Geld am liebsten auf Sparbüchern. Dazu passt jedoch nicht die Erwartung an die Rendite. Denn zwei Prozent, besser drei, sollen es mindestens sein, ergab die Studie.

Diese unrealistische Erwartungshaltung lässt sich nur mit einem mangelnden Wissen über grundsätzliche Zusammenhänge auf dem Finanzmarkt erklären. Der deutsche Geldanleger hat nicht nur ein Umsetzungsproblem, sondern vor allem ein Erkenntnisproblem, so das Fazit der Umfrageergebnisse.

Die Kernergebnisse der Studie im Überblick

  • Nur jeder dritte Befragte gab an, sein Sparverhalten wegen der niedrigen Zinsen geändert zu haben. Männer ändern ihre Strategie eher als Frauen, Gutverdiener sind flexibler als Geringverdiener. Mit dem Bildungsgrad erhöht sich die Lernkurve.
  • Selbst bei einem langfristigen Sparplan entscheiden sich lediglich 23 Prozent der Deutschen, ihr Geld langfristig und kontinuierlich in Aktien und Aktienfonds anzulegen, eine Mehrheit von knapp 60 Prozent würde in niedrigverzinsliche Sparformen investieren und damit die Chance auf einen langfristigen Vermögensaufbau verringern.
  • Die meisten Deutschen sehen das größte Risiko bei der Geldanlage in möglichen Kursschwankungen von Anlagen (Volatilität).
  • Während Männer tendenziell eher Aktien und Aktienfonds für die langfristige Geldanlage bevorzugen, ist es bei Frauen genau umgekehrt: Sie favorisieren Sparbuch und Girokonto.
  • Die Erwartung, wieviel Rendite eine Anlage bringen soll, deckt sich nicht mit den Anlagevorlieben der Deutschen. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen lag Ende 2018 bei rund 0,5 Prozent. Tages- oder Festgelder bringen in der Regel kaum mehr. Nichtdestotrotz erwarten 75 Prozent der Befragten eine Rendite von mehr als zwei Prozent.
  • Die private Altersvorsorge hat für die Deutschen in der Altersgruppe zwischen 50 und 59 Jahren die höchste Priorität – viel zu spät für den Aufbau eines Vermögens.
  • Sieben von zehn Deutschen geben an, ihr Bankkonto als Rücklage für anstehende Ausgaben zu nutzen. Häufig erscheint der Speicher aber übervoll, Milliarden liegen auf zinslosen Konten, jahrelang ungenutzt.

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen bei der Frage des richtigen und effektiven Sparverhaltens dringenden Beratungsbedarf haben.

Gesamte Studie zum Sparverhalten der Deutschen mit interessanten Grafiken auf lossbachvonstorch-researchinstitute.com

 

Quelle:  MMN TopNews