Praxisorientierte Anleitung zur Vermögensanlage

Die Verteilung des vorhandenen Vermögens und deren optimale Gewichtung ist der Gegenstand unzähliger Publikationen, Forschungen und Theorien. Von hoch komplexen mathematischen Modellen (Markowitz), über die Einbeziehung von menschlichen Verhaltensweisen (Behavior Finance) und dem Transfer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in die Finanzmarktforschung, wird ein breites Spektrum geboten. Leider halten sich häufig weder die Anleger noch die Märkte an die Ergebnisse oder Erkenntnisse solcher Studien.

Aus unserer (hier nicht wissenschaftlich fundierten und vereinfachten) Perspektive, gibt es nur zwei übergeordnete Anlagealternativen unter die sich alles andere subsumieren lässt.

1. Nominale Werte: diese unterliegen idealtypisch nur geringen Schwankungen, haben einen fixen nominalen Ertrag und versprechen die garantierte Rückzahlung des eingezahlten Kapitalbetrages. Beispiele dazu sind Staatsanleihen oder Bundesschatzbriefe.

Die Problemfelder liegen hier im Bereich Geldwertstabilität und heutzutage besonders wichtig: der Staatsverschuldung.

 

2. Reale Werte:  die in drei Kategorien einzuteilen sind:

a) Produktivkapital: Hier wird Geld eingesetzt, um Güter und Dienstleistungen, also Wertschöpfung, zu kreieren. Als Beispiel sind Unternehmen, sprich Aktien zu nennen.

b) Rohstoffe: Diese sind essentiell, um die Menschheit mit dem zu versorgen, was sie braucht.

c) Vermögenswerte mit intrinsischem Wert: Diese haben einen geringen Produktivwert, aber dafür einen Wert aus sich heraus, der ihnen (teils seit Jahrtausenden) zugesprochen wird. Paradebeispiel: Gold.

Die Probleme hier sind Wertschwankungen im Zeitverlauf und mögliche Verluste bei Verkauf zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Der Anleger oder Sparer steht nun also vor der Herausforderung, sein Kapital auf diese beiden Töpfe zu verteilen. Bei einer Entscheidung unter völliger Unsicherheit (das Spektrum der Erwartungen in den Medien reicht von Deflation bis Hyperinflation) würde ein rationaler Investor (sind wir das?), der nicht weiß, was in Zukunft passiert, sein für Anlagezwecke langfristig zur Verfügung stehendes Kapital hälftig auf die beiden Alternativen aufteilen. Klingt soweit logisch – nicht wahr?

 


 

Hier stellen sich drei exemplarisch (die Liste ist länger) ausgewählte Probleme:

1. Der Anleger kennt die Struktur seines Gesamtvermögens nicht.

2. Finanzprodukte ( z.B. Lebensversicherungen) sind häufig Hüllen deren Inhalte der Anleger nicht durchschaut.

3. Wie ist mit den Beiträgen zur gesetzlichen Rente umzugehen?
Ein kleines Beispiel zum dritten Punkt soll die Problematik verdeutlichen:

Das durchschnittliche sozialversicherungspflichtige Bruttoeinkommen in Deutschland liegt bei (etwas gerundet) 30.000,- Euro im Jahr. Der Beitrag zur gesetzlichen Rente, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam tragen, liegt bei 20 Prozent. Das ergibt einen Beitrag von 6.000,- Euro im Jahr, sprich 500 Euro pro Monat.

Im dargestellten Ansatz wandert dieser Betrag gedanklich in den nominalen Topf, da der Schuldner der aus den Beiträgen resultierenden Forderung auf eine lebenslange Rente am Ende des Tages die (scheinbar) sichere Bundesrepublik Deutschland ist. Sprich: Nominal sind die Zahlungen (noch) sicher, aber die zukünftige Kaufkraft der Zahlung ist unsicher !

Könnte unser Anleger nun weitere 500 Euro im Monat aus seinem Nettoeinkommen sparen (in dieser Höhe eher unwahrscheinlich), dann müsste dieses Geld komplett in reale Werte mit Preis- und Kursrisiken fließen, um in der Gesamtbetrachtung das angestrebte 50: 50 Verhältnis von nominal (= sicher) zu real ( = mit Preisrisiken) zu erreichen.

Konkret: Das frei zu disponierende Vermögen wäre danach (wieder simpler Ansatz ohne Prognosen) zu jeweils einem Drittel auf Produktivkapital, Rohstoffe und intrinsische Werte zu verteilen. Das aus unserer Sicht charmante an diesem Ansatz ist, dass keine Prognosen über die Zukunft erforderlich sind. Die Verteilung wird naiv 50:50 getätigt und da der nominale Teil bereits über die Beiträge zur gesetzlichen Rente erfolgt, ist es intuitiv eingängig, die verfügbaren Mittel in den anderen Topf zu stecken.

Diesem simplen Ansatz stehen allerdings Rechtsprechung (urteilt häufig nur nach nominalen Gesichtspunkten), Verbraucherschützer (reale Vermögensklassen sind häufig komplex und deswegen teurer), Haftungsvermeidung der Finanzindustrie (reale Werte sind deutlich erklärungsintensiver) und fehlendes Problembewusstsein des Anlegers (kennt eigene Gesamtvermögensstruktur und die Inhalte der Finanzprodukte nicht) im Weg.

Deswegen sollten Anleger über die Klumpenbildung ihres Vermögens in Nominalwerten aufgeklärt werden, um eine souveräne Anlageentscheidung mit dem Schwerpunkt Sachwerte treffen zu können. Vom Gesetzgeber kann diese Form des langfristigen Anlegerschutzes und damit Vermögens-Werterhalts nicht erwartet werden. Denn der Gesetzgeber (Staat) ist gleichzeitig Emittent von nominalen Zahlungsversprechen und hat ein ureigenes Interesse an der weiten Verbreitung und des Abverkaufs dieser bunten Papierchen, das ist dann ein Interessenkonflikt.

Düsseldorf, im September 2019